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Geprägte Bilderwelten der Romanik – Ausstellung in der Staatlichen Münzsammlung München

Geprägte Bilderwelten der Romanik – Ausstellung in der Staatlichen Münzsammlung München

Von Dr. Gabriele Greindl //

Geprägte Bilderwelten der Romanik. Münzkunst und Währungsräume zwischen Brixen und Prag (= Runkelsteiner Schriften zur Kulturgeschichte Band 11), hg. Helmut Rizzolli, Stiftung Bozner Schlösser. Athesia Verlag Bozen, 2017, 409 Seiten.

Zur diesjährigen Sonderausstellung der Staatlichen Münzsammlung im Kapellenhof der Münchner Residenz (bis 24. März 2019).


I

mmer wieder überrascht die Staatliche Münzsammlung in München mit kleinen, feinen Ausstellungen, die ein treues Publikum – und einen ebenso treuen Fördererkreis haben. Nun aber sind in diesem Jahr besondere Schätze zu bestaunen – zwei erst vor kurzem ans Licht gekommene Münz-Hortfunde der Romanik, Münzfunde von erstaunlicher Qualität und Vielfalt, die einen künstlerischen – und damit auch politischen – Bogen von Südtirol bis Prag spannen. Erworben werden konnten diese kleinen Kostbarkeiten, die die Bearbeiter und nun die aufmerksamen Betrachter in die Zeit von vor tausend Jahren führen, mit Hilfe der Freunde der Münzsammlung, vor allem auch mit Hilfe der bei so aktuellen, kurzfristig zu entscheidenen Ankäufen präsenten und helfenden Kulturstiftung der Deutschen Länder und der Ernst von Siemens Kunststiftung. Die entsprechenden Grußworte von Prof. Druffner (Kulturstiftung ) und Dr. Hoernes (Siemens Kunststiftung) erläuterten die Hintergründe, mit heutigem Geld altes Geld, uralte Münzen zu erwerben und für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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Schatzfund von Obing, der Reiter der das Schwert schwingt – um 1130. Staatliche Münzsammlung München. Foto: Nicolai Kästner.

In enger Kooperation mit der Stiftung der Bozner Schlösser, deren Präsident Prof. Rizzolli den Fund lebendig und aufschlußreich erläuterte – und der als Innsbrucker Universitätsprofessor wenige Tage später im Institut für Bayerische Geschichte in der Ludwigstr. 14. sich nochmals näher mit dem altbayerischen Hochadelsgeschlecht der „Andechser als Münzherren“ befaßt hatte – und dem Kunsthistorischen Museum in Wien ist nun ein Stück Neuland betreten worden, denn es werden diese alpenübergreifend im Umlauf befindlichen Münzen des Hochmittelalters als Kunstwerke – und als Zahlungsmittel – gesehen. Langjährige Forschungen, vor allem von Alexandra Hylla, die nun weiter an den Objekten arbeiten kann, Martin Hirsch und Eva Haferkamp in München, Helmut Rizzolli und Armin Torggler in Südtirol und Martin Wihoda in Prag, um nur einige herauszugreifen, zeigen einen einheitlichen Münzraum auf, der Südtirol mit Innsbruck, Bayern mit Prag verbindet, der Regensburger, Salzburger, München-Freisinger und Lienzer Währungsräume miteinbezieht. Der Leitende Sammlungsdirektor der Staatlichen Münze, Dr. Dietrich Klose, stellte vor diesem Hintergrund bei der Eröffnung dann die beiden gezeigten Münz-Hortfunde der interessierten Öffentlichkeit vor. Zum einen handelt es sich um den Schatzfund von Obing im Landkreis Traunstein, etwa tausend Münzen, die man um 1130 vergraben hatte. Mehr als die Hälfte der nun sichtbaren 36 Münztypen war bisher unbekannt gewesen, nun können sie anhand ihrer Inschriften, Prägestempel und anderen Details verschiedenen Münzstätten zugeordnet werden. Diese Münzen, vergraben und nun vor kurzem gefunden an der mittleren Salzstraße, die durch Altbayern von Salzburg nach Augsburg führte, ist der älteste hochmittelalterliche Schatzfund aus Bayern. Der zweite große Fund, die insgesamt 7780 Münzen aus Waal im Landkreis Ostallgäu, wurde etwa hundert Jahre später, nach dem Tod Barbaossas vergraben. Die um 1210/1220 verborgenen Münzen entstammen  vor allem Augsburger Prägestetten, aber auch kleineren Stätten, wie denjenigen in Donauwörth, Kempten oder Schongau und zeigen zahlreiche neue, bisher unbekannte Stempel und Münztypen. Zudem wurden hier zahlreich auch Tiroler Münzen und Prägungen der Herzöge von Innsbruck und der Bischöfe von Tirol in den Münzhort aufgenommen und vergraben. Dies ergibt neue Forschungsansätze nicht nur für die schwäbische Münzgeschichte, sondern für die gesamte Wirtschaftsgeschichte der Hochmittelalters, liegt der Fundort doch an der historischen Straße, die von Augsburg über das Werdenfelser Land (im Besitz der Freisinger Bischöfe) nach Innsbruck und weiter über den Brenner nach Süden führte.

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Rundmedallion: Herrscher/Bischof mit Insignien in halbkreisförmigen Verzierungen, um 1220. Staatliche Münzsammlung München. Foto: Nicolai Kästner.

Diese Verbindung zu Südtirol ist ein großer Glücksfall, ermöglicht es doch der heutigen Forschung, gemeinsam und grenzübergreifend die Funde in Ausstellung und sehr detaillierter, bestens illustrierter Publikation einem breiteren Publikum zugänglich zu machen, immer verbunden mit der Hoffnung, dass sich daraus eine weitere Zusammenarbeit ergeben möge. Nachdem die Münzen letztes Jahr in Schloß Runkelstein bei Bozen ausgestellt waren, sind sie nun seit April in München zu sehen.

Man nehme sich Zeit für den Katalog und die sorgfältige Betrachtung der kleinen, wunderbaren Kunstwerke! Führungen durch die Ausstellung helfen den Besuchern ebenso, in diese ferne Welt einzutauchen wie schlichtes Nachfragen und Betrachten!

Alle Informationen zur Ausstellung

Auf der Webseite der Staatlichen Münzsammlung München finden sich alle Informationen zur Sonderausstellung.
20. April 2018 bis 24. März 2019.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr.

Staatliche Münzsammlung München
Residenzstraße 1
(Eingang Kapellenhof)

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